Dass die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Asseln ein Bewusstsein für ökologische Fragen hat, das ist nichts Neues. Vor mehr als 20 Jahren schon wurden auf den Dächern der Pfarrhäuser thermische Solaranlagen installiert. Und das zentrale Argument beim Widerstand gegen den Flughafen-Ausbau vor 15 Jahren war für das Presbyterium immer, dass die massive Förderung und Stimulierung von touristischem Flugverkehr angesichts des Klimawandels kein verantwortliches Handeln darstellt. Am Bewusstsein hat es also nie gemangelt.
Einen erheblichen Schritt weiter gegangen ist die Gemeinde jetzt allerdings durch die Einführung des „Kirchlichen Umweltmanagements“, das unter dem Namen „Der Grüne Hahn“ mittlerweile bekannt geworden ist. Orientiert an EMAS, dem „Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Betriebsprüfung“ der Europäischen Union, ist der „Grüne Hahn“ nichts anderes als eine Methode, das Handeln einer Kirchengemeinde im Blick auf seine ökologischen Folgen systematisch zu erfassen, zu überprüfen und kontinuierlich zu verbessern.
Im Oktober 2008 hatte das Presbyterium den entsprechenden Beschluss gefasst, dieses Umweltmanagement in Asseln einzuführen. Nicht wirklich geahnt hat man damals, wie umfangreich die Arbeiten sein würden, die bis zur Zertifizierung des Systems zu leisten sein würden.
Anvertraut hat das Presbyterium diese Arbeiten einem „Umweltteam“, das seit damals regelmäßig zusammenkommt. Winfried Augustin, Volker Brings, Manfred Laurer, Ulrich Rieke, Ulf Schlüter, Annette Schröer und Alfred Targon waren die Mitglieder dieses Teams.
In einer ersten Phase ging es vor allem darum, alle relevanten Daten und Zahlen erst einmal zu sammeln und zu erfassen, also Verbräuche zu messen, Gebührenbescheide und Pläne zu studieren und auszuwerten, zu rechnen und alles in eine Datenbank im Internet einzupflegen.
Im Anschluss daran wurde überlegt, wie das ökologische Handeln künftig verbessert werden könnte. Dabei konzentrierte sich das Umweltteam zunächst auf zwei Gebäude: auf das Gemeindehaus und die Kirche. Wird doch in diesen beiden Häusern mit Abstand am meisten Energie - vor allem Wärmeenergie - verbraucht.
Gemeinsam mit der EnergieAgentur NRW und einem Ingenieurbüro aus Münster wurden sodann die Möglichkeiten ausgelotet, wie man zu nennenswerten Einsparungen kommen kann. Zumal die Heizanlage im Gemeindehaus ohnehin „ihr Alter hatte“, nämlich bald 30 Jahre, hat das Presbyterium auf Vorschlag des Umweltteams dort erheblich investiert - in eine komplett neue Brennwert-Heizanlange nämlich, die deutlich weniger Energie verbrauchen und dennoch mehr Wärme vor allem in den großen, schwer zu heizenden Gemeindesaal bringen wird.
Die Planungen für die Kirche setzen vor allem auf eine neue und effiziente Steuerung der vorhandenen Heizung, die auch das für die Orgel zwingend notwendige Raumklima gewährleisten soll. Diese Steuerung wird voraussichtlich noch vor Beginn der neuen Heizperiode installiert sein.
Am 15. Juni 2010 ist es nun zur offiziellen Zertifizierung des Umweltmanagement-Systems gekommen (s. Foto).
Ein 25-seitiger „Umweltbericht“ sowie ein dicker Aktenordner voller Datenblätter, Protokolle und Dokumentationen gehören - wie immer bei solchen Prozessen - natürlich dazu. Wichtiger aber ist die erklärte Absicht, im Rahmen dieses Systems auch künftig systematisch danach zu fragen, wie die Kirchengemeinde ihre eigene Umweltbilanz weiter verbessern kann. „Der Grüne Hahn“ wird dabei auch in Zukunft helfen.